Cover - © Martina Pilcerova
            
Dreimal Proxima Centauri und zurück - Leseprobe
Hurriberto kennt sich aus
(...) Als sich das Boot gemächlich dem Kreuzfahrtraumschiff näherte,bot sich ein prächtiger Anblick. Anscheinend hatte der Maschinist soeben die Manövriertriebwerke gefeuert, denn die leuchtend blauen Flammen der Tesla-Aggregate zuckten wie gigantische Elmsfeuer aus den mächtigen Düsen ins All. Ein prächtiger Anblick, auch wenn er mit der Kraftentfaltung eines Raumschiffes im Überflug nicht zu vergleichen war. Wicknack bemerkte, wie das zarte Fräulein mit ängstlichen Augen dem Schauspiel folgte.
»Sieht beeindruckend aus, nicht wahr?«
»Ja, schon ...« kam es zögernd zurück.
»Ist das gnädige Fräulein das erste Mal auf einem Raumschiff, wenn ich mir die Frage erlauben darf?«
»Nein, eigentlich nicht. Aber so nah, ich meine ... das hatte ich nicht erwartet.«
Sie drehte sich zu ihm um, und er blickte in ein paar ängstliche grüne Augen mit goldfarbenen Sprenkeln. Bezaubernd, dachte Hurry, ganz bezaubernd. Es würde mich sehr wundern, wenn sie auf der Reise nicht eine Schar Verehrer anziehen würde. Mit einem Blick auf ihre hochgeschlossene Bluse mit der schlichten Brosche am Kragen revidierte er seine Meinung allerdings schnell wieder. Das Fräulein war gewiss keine kokette Landpomeranze, die an Bord der Stern auf der Suche nach einem gutbetuchten Ehemann war.
»Wo sind denn die Turbinen?«
»Turbinen?« echote der Kabinensteward der ersten Klasse entgeistert.
»Sie meinen, wie auf einem Dampfraumer?«
»Gewiss«, sagte das Fräulein mit fester Stimme. »Wie sollten wir uns denn sonst durch das Weltall bewegen?«
»Grundgütiger«, platzte es aus Hurry heraus. »Ich bitte vielmals um Entschuldigung für meinen unangemessenen Ausbruch, aber mit Dampf fliegen wir schon lange nicht mehr.«
»Ach, nicht? Ich dachte ...«
»Nun, auf den Hinterwelten, Sie mögen den Ausdruck verzeihen, da sieht man die alten Dampfraumer vielleicht noch. Wir haben selbstverständlich die neueste Technologie. Alle Schiffe der &Mac221;Sternenlinie&Mac220; fliegen mit Tesla-Energie.« (...)
Eine aufregende Reise nimmt ihren Anfang
(...) »Und, hat die alte Schabracke Sie endlich gehen lassen?« herrschte Lurs von Luna sie ungeduldig an.
»Ja, aber wieso, was ist denn?« Mimsy wusste überhaupt nicht, wie ihr geschah. So ein Flegel.
»Ihr Findschlüss. Wie wollen Sie ohne ihn in Ihre Kabine finden?« lautete die mysteriöse Antwort. »Hier, nehmen Sie, und dann zügig voran.«
Mimsy drehte den kleinen, kegelförmigen Gegenstand etwas ratlos in den Fingern, beschloss aber, dass es wohl klüger wäre, dem voranstürmenden Impresario zu folgen, anstatt sich durch Fragen erneut mit ihrer Unwissenheit zu blamieren.
Warum hatte sie nur niemand besser auf diese Reise und ihre Anforderungen vorbereitet? Plötzlich meinte sie, aus dem Nirgendwo Madame Halcions Stimme zu hören, die energisch
»Hören Sie auf zu flattern, Kind«, befahl. Wenn es doch nur soeinfach wäre, dachte Mimsy verzagt.
Und was war das schon wieder? Die dezente Muzak, die beruhigend durch die teppichbelegten Gänge der ersten Klasse plätscherte, wich einer sanften Frauenstimme, die freundlich, aber bestimmt erklärte: »Werte Reisende, in Kürze begibt sich die Stern von Beteigeuze in den Überflugmodus. Wir bitten alle Passagiere, umgehend die Kokons in ihren Unterkünften aufzusuchen.«
Da waren sie wieder, dieser Überflug und die Kokons. Warum sagte niemand, wann dieses ominöse Ereignis eintreffen würde? Woher sollten die Passagiere denn wissen, wann sie in ihren Kokons zu liegen hatten? Das war wirklich eine Zumutung und dieser impertinente Mensch darüber hinaus alles andere als hilfreich. Soeben bog er in den nächsten Gang und wenn sie nicht den Anschluss verlieren wollte, müsste sie sich in Trab setzen. Und schon wieder erklang eine tadelnde Stimme. Nur diesmal gehörte sie der Beharrlichen Schwester Ingnatia-Igel vom Orden des Blutenden Herzens: »Eine Dame rennt nicht, Fräulein Mimkovsky, und eine Dame bewahrt immer Haltung.«
Mimsy Mimkovsky streckte das Kinn vor. Ja, genau das würde sie tun. Haltung bewahren. Nicht weil sie die Schwestern nicht enttäuschen wollte, sondern weil Haltung ihre Rüstung war. Was hatte ein armes, herkunftsloses Fräulein wie sie denn sonst dem Leben entgegenzustellen? So gestählt setzte sie sich in Bewegung, um zu Herrn von Hochnase – Mimsy hatte beschlossen, dass sie ihn ab jetzt für sich so nennen würde – aufzuschließen. Nur gut, dass sie für diesen Tag festes Schuhwerk angezogen hatte.(...)
Phantasia Paperback, Science Fiction 1014 Klappenbroschur 208 Seiten, 13,90 Euro; Herausgeber: Joachim Körber Verlag, ISBN 978-3937897479
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