Luke Harrison - Weltraumabenteurer:
Begegnung in der High Sierra

Leseprobe

 

Marsport ist ein trostloser Ort. Trostlos für jemanden mit leeren Taschen. Jemanden wie mich. Doch damals, als ich in der Mojave-Wüste festsaß, die Schläger des Syndikats im Nacken, war mir der kleine rote Planet wie ein zwanzigkarätiger Diamant oder ein Royal Flush ins Auge gestochen. Off world, diese Worte klangen magisch in meinen Ohren, klangen wie meine ganz persönliche Eintrittskarte ins große Abenteuer. Vielleicht war da auch noch etwas mehr gewesen, mehr als bloßes Davonlaufen. Vielleicht war es diese alte Sehnsucht, die einen in seltenen, sternenklaren Nächten überkommt und schwindelig macht. Damals, in Mojave-Spaceport, habe ich nie darüber nachgedacht, damals war alles schwarzweiß und einfach. Hier, unter einem fremden Himmel, scheint die Sonne viel kälter für die Glücklosen und ein harter Wind wirbelt die Karten durch dünne Luft, mischt sie für ein Spiel mit unbekannten Regen. Off world, so dachte ich, sei die Lösung für alle meine Schwierigkeiten. Da wusste ich noch nicht, dass es die Entfernung ist, welche die Dinge ändert, und nicht die Zeit. Aber wie jeder Hinterweltler hatte ich meine Lektion erst noch zu lernen.

[...] Hier stand ich nun, im Spaceport-Terminal von Mars, hungrig, frierend, ziemlich desillusioniert und völlig abgebrannt. Fröstelnd schlug ich den Kragen meiner Jacke hoch und setzte meine Wanderung durch die weitläufige Halle fort. Deprimierende Aussichten für einen Jungen, der ausgezogen war, die Galaxis zu erobern, der die Erde verlassen hatte, weil dort nichts mehr los war, und feststellen musste, auf Mars war noch nie was los gewesen. Ein kalter Planet mitten im Sonnensystem und doch nur ein abgelegener Grenzposten, wo immer Nebensaison war, zu jeder Jahreszeit.

Da fiel mein Blick auf einen Trupp abgerissen aussehender Raumtramps. Zielstrebig marschierten sie zur Frachtsektion des Raumhafens, wo es nun wirklich nichts Interessantes gab. Doch meine Neugier war geweckt, und nicht ohne Hintergedanken schloss ich mich ihnen an, sie sahen dämlich genug aus, um sich zu einem Spielchen überreden zu lassen. Und wenn ich die Oldtimer erst mal am Haken hatte, würde ich sie mit der "Verdeckte-Dame-Masche" gründlich abkochen. Dass sie wahrscheinlich genauso abgebrannt waren wie ich, verdrängte ich in diesem Augenblick. Warum auch nicht, seit Monaten log ich mir nun schon in die Tasche, war sozusagen Weltmeister im Selbstbetrug geworden. Fehlte nur noch, dass ich mich beim Pokern selbst übers Ohr haute.

Zügig bogen die vier um eine weitere zugige Ecke. Sie führten mich staubige Rampen hinunter und durch unbenutzte Lagerräume. Falls mich die Tramps gesehen hatten, ließen sie es sich jedenfalls nicht anmerken. Immer noch zielstrebig gingen sie weiter und schwenkten in den nächsten Gang. Wer den Raumhafen von Marsport geplant hatte, musste wohl eine andere Realität vor Augen gehabt haben, in der Mars der Knotenpunkt der Galaxis war und nicht nur eine Art Umsteigebahnhof für Kolonisten auf der Suche nach ihren irdischen Wurzeln.

Plötzlich endete der Gang vor einer Druckschleuse. Eisiger Wind fegte durch die von Korrosion zersetzten Schotts. Ich überlegte, ob ich umkehren sollten. Dort draußen war nichts, nur die Startgruben und einige Hangars der Raumgarde.

Da sah ich das Schild. Es leuchtete über dem Eingang einer lang gestreckten Baracke, in deren Windschatten einige Bodengleiter geparkt waren. "Warme Suppe und saubere Betten kostenlos!" Ich traute meinen Augen nicht. Wie hypnotisiert folgte ich dem verlockenden Angebot, bereit, meine Talente für eine warme Mahlzeit zu verkaufen. Doch man sollte nie bei einem Spiel einsteigen, wenn man die Regeln nicht kennt, das sollte ich schnell genug erfahren.

Ich betrat einen hellen, behaglich warmen Raum. An der Längsseite waren Feldbetten aufgebaut, die verdammt einladend aussahen. Nicht ganz so einladend roch es aus den dampfenden Suppentöpfen, vor denen sich auch die vier Typen aus dem Terminal angestellt hatten. Mein knurrender Magen verbot mir jede Kritik, und ich reihte mich hinter den Wartenden ein.

Dass der Kerl mit der Schöpfkelle die anthrazitfarbene Uniform der Raumgarde trug, hätte mir eine Warnung sein müssen, doch ich war in jenen Tagen ein rechter Hinterweltler, galaktisch gesehen. Dabei hätte ich mir denken können, dass nichts auf der Welt umsonst war, auf keiner Welt. Aber andererseits, woher hätte ich wissen sollen, dass ein Napf Suppe über mein weiteres Schicksal entscheiden würde? ...

...Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich bis zu meiner Entlassung auf Deimos oder in Marsport rumhängen würde, doch ich hatte mich verschätzt. Meine Einheit wurde zu einem Geleitschutzeinsatz auf einem Kreuzer der mittleren Klasse abkommandiert. Wir sollten das Frachtschiff Vega, beladen mit Gebrauchsgütern von der Erde, durch den Asteroidengürtel eskortieren. Zielort der Vega war Callisto, Jupitermond und Handelsherren-Enklave.

Der Gürtel war ein natürliches Fangnetz für Piraten, die sich auf den kleineren Asteroiden verschanzt hatten. Sie enterten ausnahmslos Frachter mit wertvoller Ladung. Anscheinend hatten sie im ganzen System Tippgeber, denn ihre Beutezüge waren immer sehr ertragreich.

Die Piraten flogen mit wendigen Beibooten, die mit einem Hochleistungsantrieb ausgerüstet waren. Ihre Basen lagen gut getarnt in der Nähe der Angriffspunkte und ihre Taktik des »Angriffs und schnellen Rückzugs« schlug selten fehl.

Die schwerfälligen Frachter krochen mit stark gedrosseltem Normalantrieb auf lange voraus berechnetem Kurs durch den Asteroidengürtel. Die Piraten lauerten ihnen außerhalb der Reichweite ihrer Scanner auf. Und oft genü!gte die bloße Präsenz ihrer bewaffneten Raumgleiter, um die Mannschaft des bedrohten Schiffes zur Übergabe zu zwingen. Besonders hartnäckige Fälle wurden durch gezielten Beschuss der Brücke überzeugt. Es gehörte zu dlenken ungeschriebenen Spielregeln, dass die Beiboote freien Abzug hatten, und ebenso wurde das Aussetzen einer Notboje geduldet. Die Frachtsegmente mitsamt der Ladung wurden abgesprengt und die Rückstoßaggregate gezündet. Soweit die wenigen Augenzeugen berichteten, waren die Container auf einer präzisen Bahn zwischen den Asteroiden hindurchgeflogen, bis sie schlagartig nicht mehr von den Scannern erfasst werden konnten.

In letzter Zeit hatten die Überfälle durch Piraten immer mehr zugenommen, und die systemweite Versicherungsgesellschaft drängte die Raumgarde, härter durchzugreifen. Ein unsinniges Ansinnen; nichts hatte die Piraten jemals aus ihren gut getarnten Schlupfwinkeln vertreiben können. Doch um sich den Anschein zu geben, nicht nur den Status quo aufrechtzuerhalten, schickte die Garde ihre auf Deimos stationierten Einheiten auf Geleitschutzmissionen durch den Gürtel.

Den Handelsherren war es im Prinzip gleich, wer ihre Rechnungen bezahlte: die Solar System Insurance Company oder die Abnehmer ihrer Waren.

Als unser Kreuzer den Quadranten erreichte, wo das Rendezvous mit der Vega stattfinden sollte, fanden wir nur eine Notboje vor. Nachdem unser Funker die Botschaft von der Vega entschlüsselt hatte, bestätigte sich unser Verdacht: Die Piraten waren uns zuvorgekommen und die Besatzung des Frachters hatte sich in den Beibooten abgesetzt.

Ich richtete den Scanner auf den Sektor aus, in welchem ich den Frachter nach meinen Berechnungen vermutete. Nichts, nur ein paar unregistrierte Gesteinsbrocken. Dass die Piraten so weit außerhalb ihres gewohnten Operationsgebiets zugeschlagen hatten, deutete darauf hin, dass sie über das Geleitschiff der Raumgarde informiert gewesen waren. Doch wo war die Vega? Eine nicht uninteressante Frage, denn der Frachter transportierte über fünfzig größere Segmente.

Jeder nur einigermaßen intelligente Kommandant hätte die Aktion für gescheitert erklärt und die Rückkehr zur Basis befohlen. Aber der Kommandant dieses Kreuzers war nicht intelligent, war es nie gewesen, denn irgendein verpennter Einsatzleiter auf Deimos hatte meinen speziellen Freund, den Sergeant, zum aktiven Dienst versetzt.

Die Arme auf dem Rücken verschränkt, das Kinn auf die Brust gedrückt, stolzierte er auf der Brücke herum. Er schrie etwas wie »Scheißpiratennest ausräuchern«. Seit man ihn zum Lieutenant befördert hatte, war er profilierungssüchtig und bereit, die ganze Mannschaft seinem Ehrgeiz zu opfern. Von jedem anderen hätte man gesagt, er sei vom Raumkoller befallen, doch der Serge war schon seit dem Tag seiner Geburt verrückt wie ein Rudel weganischer Tanzmäuse. Er jagte uns auf eine sinnlose Suche durch die Asteroiden, die mit jeder Stunde aussichtsloser wurde, während unsere Vorräte weiter schwanden.

Doch wer fragte mich nach meiner Meinung? Ich war nur der Zwangsverpflichtete, der die Kiste zu fliegen hatte, mit einem Copiloten, der zu dämlich war, seine Instrumente richtig abzulesen. Außerdem war ich mir ziemlich nsicher, dass wir längst Dutzende gut getarnter Piratenstützpunkte passiert hatten.

Und in der Zwischenzeit drang der Kreuzer immer tiefer in den Gürtel vor. Ein höllischer Trip Ñ ich konnte nicht auf den Autopiloten umschalten, sondern musste laufend manuell Kurskorrekturen eingeben. Um wach zu bleibe n schluckte ich fast ständig irgendwelche Pillen. Und irgendwann maß ich die Zeit nur noch in roten, gelben oder gestreiften Muntermachern.

Dann, ich weiß nicht wie lange wir inzwischen im Raum waren, zeigte der Scanner ein künstliches Objekt an. Das Signal rasterte sich zum Diagramm eines Frachtschiffes auf. Wir waren, entgegen aller Wahrscheinlichkeit, auf die Vega gestoßen.

Ungefähr zur gleichen Zeit fand einer der Jungs den Sergeant mit einem Kris im Rücken in der Nähe der Hauptschleuse. Der Dolch sah wie ein billiges Souvenir aus einem beliebigen Teil der Galaxis aus. Und nahezu jeder an Bord besaß ein Sortiment E.T.-Kitsch, das auf den Raumhäfen als wertvolle und seltene Handarbeit ausgestorbener Rassen angeboten wurde. Was den Sergeant anbelangte, er sah einfach nur tot aus und niemand vermisste ihnau sonderlich.

Weshalb die Besatzung ausgerechnet mich zum neuen Kommandanten wählte, einen bis an die Ohren mit Amphetaminen abgefüllten Piloten, war mir ein Rätsel, doch seit wir die Vega gefunden hatten, geschah so manches Rätselhafte.

Ich beschloss, mir den Frachter näher anzusehen, und stieg mit fünfzehn Jungs in ein schnelles Patrouillenboot. Mein unfähiger Copilot hatte während meiner Abwesenheit Brückenwache auf dem Kreuzer.

Meine Idee war zu prüfen, ob das Schiff noch manövrierfähig genug war, um es nach Marsport zu fliegen.

Die Vega rotierte antriebslos um ihre Achse und trieb auf Kollisionskurs zu einem als Nummer 150063 verzeichneten Asteroiden der Omikron-Gruppe.

Vorsichtig steuerte ich das Boot auf einer dem Frachter angeglichenen Bahn dichter heran. Das Schiff war ohne Frage von seiner Mannschaft aufgegeben worden. Die Hauptschleuse war geöffnet und ein Großteil der Frachttten segmente abgesprengt. Doch es gab Anzeichen von geringfügiger Energieemission.

Ich dockte an einer der Notschleusen in Nähe der Brücke an. Das kleine Patrouillenboot klebte an dem gigantischen Frachter, nicht viel größer als Fliegenschiss an der Hinterbacke eines Riesensauriers.

Dicht gedrängt stand meine kleine Gruppe in ihren Raumanzügen in der Schleuse. Die Messgeräte zeigten an, dass die Luft im Innern des Schiffes zu atmen war. Ich schloss das Außenschott über die manuelle Notschaltunmalantg, und nachdem ich etwas herumprobiert hatte, glitten die vier Segmente der zweiten Schleuse zurück.

Ich glaube, uns allen war beklommen zumute, als wir den Hauptgang betraten, der zur Brücke führte. Unsere Schritte klangen hohl und in der Notbeleuchtung tanzten unsere Schatten übergroß an den Wänden. Einige der JungsAu machten laute Scherze und lachten dann nervös, um das überlaute Brummen der Lebenserhaltungssysteme zu übertönen.

Auf der Brücke deutete nichts auf einen überstürzten Aufbruch der Besatzung hin. Ich trat an die Instrumentenkonsole. Bis auf die Notaggregate waren alle Systeme ausgeschaltet. Während ich versuchte mit der Steuerung v_ertraut zu werden Ñ ich wollte so schnell wie möglich aus diesem Sektor verschwinden Ñ, meldete sich der Kreuzer über meinen Helmfunk. Aufgeregte Stimmen schrien durcheinander. Dann war die Verbindung schlagartig abgerissen.

Hastig wollte ich ein paar Regler hochziehen, um den Kreuzer über die Funkanlage der Vega anzurufen, als ich eher durch Zufall den Sichtschirm einschaltete. Das Garderaumschiff drehte mit Höchstgeschwindigkeit ab. Irgendetwas hatte meinen unfähigen Copiloten mächtig aktiv

...Inzwischen war ich schon seit über einem Standardmonat in Marsport, und während ich immer noch auf bessere Zeiten wartete, verringerte sich meine Barschaft zusehends. Dass ich gezwungen te, OÕNeills Angebot an nzunehmen, diese Idee gefiel mir überhaupt nicht, doch noch war es nicht so weit.

Ich studierte die Anzeigetafel. Eine Privatjacht mit Callisto-Registrierung, diverse Frachter und ein Luxusliner der Galactictrans,ont>Žjˆ-vu-Erlebnis zwang mich, den Scanner einzuschalten. Nichts, nur die Ausläufer des vom

Der Luxusliner konnte ein lohnendes Objekt sein. Vielleicht gelang es mir, das eine oder andere Souvenir Gewinn bringend zu verkaufen Ñ Ex-Raumgardisten haben meistens die Taschen voll mit allerlei galaktischem Plunderdu, und die Touristen sind wild hinter dem Zeug her.

In diesem Augenblick sah ich, dass die Jacht und der Raumer der Galactictrans schon vor zwei Standardstunden eingetroffen waren. Das Shuttle mit den Passagieren musste jeden Moment von Phobos-Station ankommen. So schnell ich laufen konnte durchquerte ich die weitläufige Halle, als ich hart von hinten angerempelt wurde. Ich verlor beinah mein Gleichgewicht und meine Krücken fielen zu Boden.

"Steh nicht im Weg, Vagabund", herrschte mich ein unglaublich fetter Kerl an.

Er war aus Richtung der Zubringer zu den Hangars für Privatraumschiffe gekommen und wurde von zwei Typen eskortiert, die wohl die gemeinsten Visagen hatten, die mir bisher in meinem Leben untergekommen waren. Neben dem Trio sahen die Mitglieder des Syndikats wie Kandidaten für den Welt-Kongress aus.

Ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen, watschelte der Dicke mit seinen Leibwächtern durch den bevölkerten Terminal und verlor sich schnell im Gedränge.

Ich schrie ihm noch eine Auswahl von Flüchen in allen mir bekannten Idiomen nach, aber er überhörte sie wie ein Kredithai die Bitte um Aufschub. "Nga hflagnu agnaf knle«, schloss ich atemlos. Die Bewohner von Epsilon Eridani verstehen es, sich sehr bildhaft auszudrücken.

Hinter meinem Rücken ertönte schallendes Gelächter. Überrascht drehte ich mich um, und da stand eine junge Frau, anscheinend eine Touristin, die mit dem Liner gekommen war, denn neben ihr schwebte ein beladener Gepäckrobotwagen mit dem Emblem der Galactictrans.

"Das war zwar sehr blumig ausgedrückt«, kicherte sie, "doch ob es auf ihn zutrifft?" Sie de

"Hm, verstehe", brummte ich. Da hatte ich ja wohl um mehr als dreihundert Lichtjahre danebengehauen.

Ich bückte mich nach meinen Krücken. "Wie wär's mit uns, mein Hübscher?«, fragte sie noch immer lachend."Oh, ich zitiere Sie nur. Allerdings ist Ihr Akzent ziemlich schlimm, aber Shaula ist auch eine komplizierte Sprache."Sie haben sich ja nicht schlecht saniert", sagte ich anzüglich und musterte ihre teure Garderobe. Leichte, sandfarbene Thermokleidung, aus einem kostbaren Garn gefertigt, das buchstäblich nicht von dieser Welt war.iner Kein Vergleich mit dem Raumfahrercoverall von damals.

"Suchen Sie Arbeit?" Sie taxierte mich kühl. "Ich brauche einen Führer und ich zahle gut."

"Lady, für jemanden, der einen unterbezahlten Raumgardisten angepumpt hat, reden Sie reichlich viel von Geld."

"Oh, wenn es das ist, was Ihnen Sorgen macht", entgegnete sie geringschätzig und zog ein ansehnliches Bündel Stellars aus ihrer Tasche. Sie zählte fünfzig Einheiten ab, ohne dass das Päckchen merklich dünner wurde, und zahlte mich aus.

Sie beobachtete mich, während ich das Geld sorgfältig wegsteckte.

"Also, was ist, suchen Sie Arbeit oder nicht?"

"Und was, glauben Sie, kann ich Ihnen nützen?" Ich wies auf meine Krücken. "Ich bin sicher, Sie finden leicht jemand, der besser geeignet ist."

"Sie können bestimmt auch ohne die Dinger laufen", meinte sie ungerührt. "Außerdem sollen Sie nur einen Gleiter fahren."

"Sie wollen eine Besichtigungstour, Lady?", fragte ich verblüfft. Sie war schon ein seltsames Mädchen. Doch ich war froh, dass sie keine neugierigen Fragen über die Ursache meiner Verletzung stellte.

"Keine Besichtigungstour." Sie lachte wieder, aber es klang bitter. "Eher ein kleiner Jagdausflug."

"Jagdausflug?", wiederholte ich albern."»Ich wusste nicht, dass es hier so was wie Safaris gibt."

"Kommen Sie." Sie zog mich zum Ausgang des Spaceport-Terminals. "Da!" Sie zeigte mit dem Kinn auf den Dicken, der sich anschickte, mit seinen Bodyguards in einen Bodengleiter zu steigen.

"Ein gutes Ziel", bestätigte ich mit Kennermiene, "selbst für einen ungeübten Schützen. Aber ob ich mir das unbedingt an die Wand hängen würde?"

"Ich glaube, wir verstehen uns." Sie hakte sich leicht bei mir unter. "Fahren wir ins Hotel und kaufen dann die notwendige Ausrüstung."

Sie ging auf einen der kleinen Elektrowagen mit der Aufschrift Marsport-MacRenaissance zu. Ich sah, wie der fette Kerl etwas zu einem der Halsabschneider sagte und auf meine Begleiterin deutete. Dann glitt der Einstieg Rzu und der Gleiter wurde gestartet.

"Da fährt sie hin, Ihre Trophäe."

"Der kommt nicht weit", sagte sie zuversichtlich, und als der Gepäckrobot die kleinen Container umgeladen hatte, folgte sie dem Fahrzeug.

"Wer ist denn der reizende Kerl?", fragte ich. "

Das war der Ehrenwerte Handelsherr Gharf von Ganymed." Sie spuckte jede Silbe einzeln aus, so als hätte sie auf etwas besonders Unappetitliches gebissen.

Handelsherr Gharf, der Eigner der Vega. Ich starrte angestrengt durch die Sichtscheibe. Sie durfte nicht merken, welche Wirkung ihre Worte auf mich hatten....

Deutsche Originalausgabe
Alle Rechte vorbehalten
© Argument Verlag 2000

Achtung: Dieser Roman ist nur noch antiquarisch erhältlich!

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